Tag 4 – Vom Tower nach Myeongdong

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Um 10 Uhr bin ich aufgewacht. Bis halb fünf morgens hatte ich noch an der Webseite gebastelt, entsprechend spät ging mein Tag los. Zum Frühstück gab’s Müsli (Cornflakes mit Milch), denn ehrlich gesagt haben wir bis heute keine Ahnung, was Koreaner morgens eigentlich essen. Im Supermarkt gibts super viel Fleisch im Kühlregal, Nudeln und eingelegtes Gemüse. Obst ist teuer.

Kurz darauf bekamen wir Besuch. Luana aus Deutschland, die wir erst gestern kennengelernt hatten, schloss sich spontan unserer Gruppe an. Die Wettervorhersage war 32 Grad und Sonne, also haben wir uns erstmal mit Sonnencreme eingecremt. Und endlich konnte ich meine Crocs ausführen, um ein paar Jibbitz zu tauschen.

Zu sechst ging’s zum Café die Straße runter, Kaffee und Limonade geholt. Und direkt dort den ersten Jibbitz-Tausch gemacht.

Viele Koreaner sprechen richtig gutes Englisch und sind super aufgeschlossen, sobald man selbst den ersten Schritt macht. Das gilt vor allem für jüngere Leute bis etwa 30 – ältere verstehen meist kaum ein Wort, wirken aber oft neugierig, wenn wir irgendwo als Gruppe auftauchen.

Hoch zum N Seoul Tower

Heute ging’s mit dem Bus den Berg rauf zum Tower. Die Bushaltestellen hier sind Glaskästen mit Bildschirmen, die die Straße zeigen . Sie bieten Schutz vor Regen, Wind und Sonne, haben eine starke Klimaanlage und sogar kabellose Ladegeräte. Die Koreaner an der Haltestelle reden untereinander kaum, aber spricht man sie an, entstehen schnell kurze Gespräche. Überhaupt sind die Menschen hier unglaublich hilfsbereit. Niemand sagt nein, egal ob es um einen angebotenen Drink in der Bar geht oder eine Wegbeschreibung. Selbst wenn sie keine Ahnung haben, versuchen sie eine Antwort zu geben, auch wenn die dann mal falsch ist.

Oben am Tower beim Aussteigen kam uns dann wieder die Hitze und Schwüle entgegen. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Schock.

Der Blick auf unzählige Hochhäuser, ganze Stadtviertel, dazwischen ein paar Parks und Berge, bis zum Horizont. Seoul ist einfach riesig. Wir sind mit hochgefahren, umgeben von vielen Touristen, vor allem aus China. Auf der Aussichtsplattform hängen tausende Plastikschlösser mit Pärchennamen dran. Das erinnert ein bisschen an die Rheinbrücke zuhause.

Runter haben wir uns aufgeteilt. Ich bin natürlich über den Waldpfad runter: Rund 40 Minuten bis nach Myeong Dong. Selbst mitten im Wald hingen überall Kameras über dem Weg, feste und bewegliche 360-Grad-Kamera. Zwischen den Bäumen war es angenehm kühler, überall zirpten Insekten.

In Myeong Dong angekommen, haben wir uns erstmal in einen klimatisierten Store gesetzt und auf den Rest der Gruppe gewartet. Zum Mittagessen gab’s Bulgogi in einem eher touristischen Restaurant. Preis: 22.000 Won (ca. 14€) für die Portion. Wer die richtige Seitenstraße mit den authentischen Restaurants kennt, zahlt für dieselbe Menge locker 40 % weniger.

Kameraladen im Marktviertel

Kurz durch die Fußgängerzone, vorbei an endlos vielen Street-Food-Ständen, dann mit Noah zu einem Kameraladen in einem kleinen Marktviertel. Hier keine großen Ketten, sondern lauter Einzelhändler mit allem Möglichen im Angebot. An jeder Ecke standen zwei junge Leute in Uniform (einer für Japanisch, eine für Englisch), weil die Verkäufer, meist zwischen 60 und 70 Jahre alt, kaum ein fremdsprachiges Wort verstehen.

Im Kameraladen haben wir uns dann mit dem Übersetzer Papago mit den Besitzern verständigt. Hat gedauert, aber am Ende haben sie verstanden, was Noah wollte und wie sein Budget aussah. Geholfen hat uns dabei auch eine Thailänderin, die dort Stammkundin ist und selbst einen Kameraladen in Thailand besitzt. Mittlerweile frage ich eigentlich jeden, den ich anspreche, nach seinem Lieblingsplatz in oder um Seoul. Meistens kommen Touristenspots dabei raus, manchmal aber auch gute Restaurant-Tipps oder die Leute fangen an, eine richtig lange Liste aufzuschreiben und einem alles ganz genau auf dem Handy zu zeigen.

Buchon Hanok Village

Danach sind wir durch ein traditionelles Village gelaufen und hätten fast 100.000 Won Strafe zahlen müssen. Das Viertel schließt um 17 Uhr und ist danach nur noch für Anwohner offen. Patrouillen mit roten Leuchtstäben liefen herum und es hängen Polizeiplakate überall, um Touristen fernzuhalten. 

Aufgeruht haben wir uns dann nochmal in einem Cafe mit einem kühlen Softdrink. Hier stand eine Klimaanlage auch direkt vor dem Laden: Oft sieht man riesige Schläuche von Klimaanlagen direkt auf den Gehwegen, die Fußgänger oder Mitarbeiter anblasen und abkühlen. Und die laufen wirklich dauerhaft auf voller Stufe.

Bus & Bahn in Seoul

Kurz nach 20 Uhr ging’s mit der Bahn zurück nach Hause. Jetzt machen wir uns fertig fürs Abendessen und wollen danach noch in eine Bar.

Alle unsere Stationen heute lagen mit Metro oder Bus 20 bis 40 Minuten auseinander. Die Metro ist super getaktet und kommt regelmäßig, aber manche Stationen haben mehrere Ausgänge, und die Züge sind so lang, dass man bei falschem Einstieg riesige Umwege laufen muss. Deshalb zeigen die Navigations-Apps direkt den passenden Ausgang für die eigene Route an. Die Busse fahren dagegen richtig schnell, alle mit Diesel- oder Benzinmotor, auf eigener Spur. Stehende Autos werden angehupt oder knapp überholt, die Busse beschleunigen brutal und fahren teils schon los, während die Türen noch offen sind. In den Apps sind die Ankunftszeiten auf die Sekunde genau angegeben.

Sobald irgendwo mehr Platz frei wird, setzen sich die Leute sofort um. Neben Ausländern wollen viele Koreaner offenbar ungern sitzen und wechseln den Platz, sobald sie merken, dass man sich neben sie setzen möchte. In der Bahn wird eher leise geredet, wir bekommen oft neugierige Blicke, und wenn man gerade mit einem Koreaner im Gespräch ist, kommen manchmal andere dazu und sprechen uns auf Englisch an oder hören einfach zu. Erzählt man dann, woher man kommt und was man hier macht, sind die meisten sehr offen für ein kurzes Gespräch. Der Anfang natürlich immer auf Koreanisch, mit den paar auswendig gelernten Sätzen aus unserem Sprachkurs.